Endometriose: die wichtigsten Fakten in der Zusammenfassung

Endometriose ist eine gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut, die Frauen im gebärfähigen Alter betreffen kann. Schätzungen zufolge sind 2 bis 20 Prozent aller Frauen in dieser Altersklasse betroffen, womit es sich um eine der am häufigsten auftretenden, gutartigen Erkrankungen im gynäkologischen Bereich handelt. In Deutschland gibt es etwa 2 Millionen Erkrankte. Pro Jahr kommen ca. 40.000 Neuerkrankungen hinzu. Aufgrund mangelnder Bekanntheit vergehen im Mittel 6 bis 8 Jahre bis zur Diagnosestellung.

Welche Symptome treten auf?

Nicht alle Erkrankten haben Beschwerden. Die häufigsten Symptome für Endometriose sind jedoch:

  • Krampfartige, lang andauernde Schmerzen während der Menstruation (Dysmenorrhö)
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) Störung der Stuhlentleerung (Dyschezie)
  • Erschwertes und/oder schmerzhaftes Ablassen des Harns (Dysurie)
  • Zyklische und azyklische Unterbauchschmerzen
  • Blutungsstörungen
  • Unfruchtbarkeit (Fertilitätsbeeinträchtigungen)

Entstehung

Wie Endometriose entsteht, ist bislang nicht geklärt. Zwar existieren verschiedene Theorien, keine von Ihnen konnte jedoch das volle Ausmaß der Krankheit schlüssig darlegen. Überwiegend wird derzeit davon ausgegangen, dass Endometriose hauptsächlich eine Gebärmuttererkrankung ist, bei der es sekundär zur Absiedlung (Wucherung) von Gewebe (Epithel- und Stromazellen) kommt.

Einteilung

Je nach Lokation werden folgenden Formen unterschieden:

  • Endometriosis genitalis externa: Schädigungen auf dem Peritoneum des inneren weiblichen Genitales, Zysten in den Eierstöcken
  • Endometriosis genitalis interna: Vorkommen an Myometrium (Schicht der Gebärmutterwand) sowie innerhalb der Tuben
  • Endometriosis extragenitalis: unabhängig vom inneren weiblichen Genital; betroffen sind Blase, Darm, Zwerchfell, Bauchwand oder gar Lunge; oberflächlich oder tief infiltrierend

Diagnostik

Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, bei der sowohl typische als auch untypische Beschwerden berücksichtigt werden müssen. Neben der gynäkologisch-geburtshilflichen Vorgeschichte sollte eingehend nach schmerzhaften und chronischen Erkrankungen, Verletzungen und Operationen gefragt werden. Zu empfehlen ist eine systematische Abfrage der Leitsymptome (siehe oben) innerhalb und außerhalb der Menstruation unter Verwendung einer visuellen Analogskala.

Differenzialdiagnosen

Die wichtigsten Differenzialdiagnosen zu Endometriose sind:

  • Zellwachstum in der Gebärmutterwand (Adenomyosis uteri)
  • Verwachsungen/Verklebungen bei Zustand nach „pelvic inflammatory disease“
  • Verwachsungen/Verklebungen bei Zustand nach multiplen Voroperationen
  • Gebärmutter-Krampfadern (Varicosis uteri)
  • Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)
  • Urologisches Schmerzsyndrom, ausgelöst durch Entzündung der Harnblasenwand (Interstitielle Zystitis)
  • Unterbauchschmerz („Pelvic musculoskeletal pain“ sekundär)
  • Depression
  • Chronische Unterbauchschmerzen nach sexuellem Missbrauch
  • Somatisierungsstörungen (psychosomatisch)
  • Chronische Schmerzzustände im Bereich der Vulva (Vulvodynie)
  • Diagnosesicherung

Bei Verdacht auf Endometriose sollte eine Überweisung an ein Endometriosezentrum erfolgen. Auch Nicht-Gynäkologen sollten insbesondere bei zyklischen Schmerzen an Endometriose denken. Insgesamt ist das Nichterkennen oder eine Fehldiagnose häufig. Der behandelnde Gynäkologe kann einen sogenannten Pillentest durchführen. Bessern sich die Beschwerden durch orale Einnahme eines empfängnisverhütenden Mittels, deutet dies auf Endometriose hin. Zur definitiven Diagnosesicherung bleibt nur die Laparoskopie (endoskopische Betrachtung der Bauchhöhle).

Therapie

Es stehen zwei Therapieformen zur Verfügung:

  • Symptomatische Behandlung mit Schmerzmitteln und Hormonpräparaten
  • Operation (ggf. im Rahmen der endoskopischen Untersuchung), organerhaltendes Vorgehen im Vordergrund

Bei eher unauffälligem Untersuchungsbefund und ohne aktuellen Kinderwunsch sollte zunächst mit der hormonellen Therapie begonnen werden.

Alternative Ansätze sind etwa die Osteopathie, die traditionelle chinesische Medizin oder die Homöopathie. Physiotherapeutische Maßnahmen konzentrieren sich auf Fehlhaltungen, die aufgrund von Schmerzen eingenommen werden. Psychologische Unterstützung sollte ebenfalls frühzeitig bedacht und integriert werden.

Endometriosezentren

Zertifizierte Endometriosezentren sind unter endometriose-sef.de gelistet. In den Zentren werden individuelle Behandlungspläne für die oft verkannte Schmerzerkrankung erstellt, welche sich nach der Lebenssituation der Patientin richten.

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