Impressionen einer Patientin zum XIII. Berliner Endometriose – Symposium vom 13. März 2015

von Rehema Amar

Kurz nach 14 Uhr betraten wir den Raum des Symposiums: viele leere Stuhlreihen. Eine große Leinwand am Ende der Stuhlreihen zeigte das Titelbild der Veranstaltung. Mitarbeiter des Hotels nahmen letzte technische Abstimmungen vor. An der Wand am Eingang stand unser Tisch, reserviert für das Netzwerk Endometriose, an diesem nahmen wir eine knappe Stunde vor Beginn in Erwartung eines informativen Nachmittages Platz. Die Reihen füllten sich, der erste Vortrag von Frau PD Dr. Mechsner konnte beginnen. Sie berichtete über ihre neuesten Forschungsergebnisse mit drei Schwerpunkten, beginnend mit ihrer Theorie der Stammzelländerung und deren Verlagerung vom Muskelgewebe der Gebärmutter zur Basalmembran sowie deren Durchbruch. Des Weiteren referierte Frau PD Dr. Mechsner zur Kausalität zwischen auftretender Endometriose am Ovar und im Darm sowie der Entartung dieser Zellen unter Einfluss des Proteins BAF 250. Der letzte Schwerpunkt ihres Vortrages galt dem Schmerz der Frauen und der Frage, wie dieser entsteht.

Die beiden folgenden Referate der Herren Prof. Dr. med. Dr. h. c. Schweppe und Prof. Dr. med. Ebert widmeten sich der Medikamentösen Therapie. Herr Prof. Dr. Schweppe konzentrierte sich vor allem auf die GnRHa- und Herr Prof. Dr. Ebert auf die Gestagen – Therapie. Herr Prof. Dr. Schweppe stellte die GnRHa in einer add-back-Therapie vor und zeigte auf, dass diese sehr erfolgreich eingesetzt wird. Die Nebenwirkungen können durch diese Therapie auf das Maß derer bei einer Gestagen – Therapie gesenkt werden. Zudem diskutierte er eine Studie zum Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt im Zyklus, an dem die Operation vorgenommen wird, und den Rezidiven. Je eher die Operation erfolgte, umso geringer war die Wahrscheinlichkeit, dass in naher Zukunft ein Rezidiv entsteht. Herr Prof. Schweppe stellte zudem seine praktische Arbeit, in der er durch die zyklische Gabe von GnRHa mit add-back, Gestagenen und der Pille die Unterdrückung der Symptome einer Endometriose bewirkt, vor. Herr Prof. Dr. Ebert erklärte in seinem Vortrag die Wirkungsweise von Dienogest und stellte die internationale Studie Esparios vor, bei welcher die Schmerzen von mittelschweren bis schweren Endometriosen durch einen Vaginalring minimiert werden sollen. Er berichtete von den größten Risikofaktoren für eine Patientin: dem primär behandelnden und operierenden Arzt, der Einbeziehung der Patienten mit konsequenter Nachbehandlung und der Auswertung von Komplikationen, da diese zu einer Chronifizierung der Erkrankung führen. Beide Referenten vertraten nachdrücklich die Meinung, dass die Patientinnen so lange wie möglich mit Medikamenten behandelt werden sollten, um die Symptome zu lindern und so eine Operation hinauszuzögern.

Im Anschluss an die Pause folgte der Vortrag von Frau Dr. Halis zum Thema „Therapie der Infertilität – Stellenwert der GnRHa und neue Protokolle“. Sie schilderte hierbei aus ihrem Praxisalltag, welche Faktoren bei Frauen mit unerwünschtem Kinderwunsch zu beachten sind und die Probleme der Qualität und Quantität der Eizellen. Sie stellte dar, wie der Einsatz von GnRHa „Ruhe in den Körper“ bringen soll, um anschließend durch unterschiedliche Gaben von Medikamenten einen Eisprung auszulösen, und das weitere Verfahren bis zur Einpflanzung der befruchteten Eizelle.

Herr Prof. Dr. Ulrich referierte daraufhin über die Operative Therapie bei ausgedehnter Endometriose mit vielen beeindruckenden Bildern und Videos. Er zeigte die Operationen an verschiedenen Organen, zum Beispiel an Blase und Darm. Die Operation am Darm stellte er an einem Fallbeispiel dar, führte die Risiken dieser auf, um zur Vorsicht zu raten. Sind bei der Patientin keine Probleme bekannt, könnte vielleicht sogar tiefinfiltrierende Endometriose im Darm belassen werden, um angrenzendes Gewerbe bzw. Organe zu schützen. Herr PD Dr. Ulrich riet zu einer starken Abwägung der Risiken mit der Patientin, bei dem Eingriff immer bis ins Gesunde zu gehen, aber auch dazu, sich einzugestehen, dass es zum Nutzen der Patientin in bestimmten Fällen besser wäre, wenn ein Kollege die Operation vornimmt.

Zum Abschluss der Vortragsreihe sprach Herr Prof. Dr. Renner über die Probleme der Diagnostik. Er führte den Zuhörern die Wichtigkeit der richtigen Untersuchungen bei der Behandlung, wie der Palpation und vaginalen Sonografie, vor Augen. Dazu gehört es ebenso, während der Operation die Organe von allen Seiten gründlich zu inspizieren, um keine Herde zu übersehen oder durch einen nicht durchgeführten Schnitt die darunterliegende Endometriose zu verkennen und somit im Körper zu belassen. In Folge dessen würden die Patientinnen mit einer falschen Diagnose entlassen werden, ihr Leiden ginge weiter. Zudem war ihm eine regelmäßige Durchführung der Nierensonografie wichtig. Der abschließende Satz von Herrn Prof. Dr. Renner lautete: Er wünsche sich, dass zu dem Zeitpunkt, an dem er in Rente geht, die Frauen nicht mehr sieben Jahre auf einen Arzt, der die richtige Diagnose stellt, „warten“ müssen.

Die Vorträge hatten eine große Informationsdichte. Dem Umstand, dass es sich bei dieser Veranstaltung um ein Ärztesymposium handelte und ich eine medizinische Laiin bin, war es geschuldet, dass ich teilweise schwer folgen konnte und sich mir wichtige Erkenntnisse nicht vollständig erschlossen. Der Kopf „rauchte“ am Ende der Veranstaltung heftig.

Die Vorträge der einzelnen Referenten waren gut gegliedert und schlüssig aufgebaut. Es war bedauerlich und für mich befremdlich, dass anschließende Diskussionen in Ermangelung von Fragen aus dem Publikum fast ausschließlich zwischen den Referenten stattfanden. Mich überraschte der starke Verweis der Referenten auf die GnRHa. In der letzten Zeit hatte ich eher das Gefühl, sie würden nicht mehr häufig eingesetzt. Nun wurde das Gegenteil vorgetragen. Die Vortragenden hatten auch während ihrer Vorträge das Fachpublikum vor Augen. Es wurden allerdings Betroffene eingeladen und diese waren der Einladung gefolgt. Ich vermisste teilweise die Empathie für die Patienten. Die Aussagen der Mediziner waren in Teilen völlig konträr zur Lebenswirklichkeit der Betroffenen. Diesen ist bewusst, dass die „goldenen Hände“ nach wiederholten Operationen keine Wunder mehr vollbringen können.

Hier schließt sich für mich das Irritierende dieser Vertragsreihe an. Frau Dr. Halis wies in ihren ersten Sätzen darauf hin, dass wir hier auf diesem Symposium über vier Millionen betroffene Mädchen und Frauen in Deutschland sprechen. Es fiel mir schwer, mich als Betroffenen wertgeschätzt zu fühlen, wenn bei den Fragen oder während der Vorträge die Sachlichkeit verloren ging. Bei diesen Mädchen und Frauen handelt es sich um Menschen, die zum Teil in ihrem Leben und ihrer Lebensplanung stark eingeschränkt sind. Sie haben es schwer genug und fühlen sich weder verstanden noch in ihren Hoffnungen bestärkt, wenn die Spezialisten ihre Querelen nicht unterlassen. Ich wünsche mir, dass die Expertise und Ethik der Referenten die zur Weiterbildung anwesenden Ärzte ebenso wie die Patientinnen ermutigen, sich weiterhin zu interessieren und zu engagieren.

In diesem Sinn hoffe ich, dass dieser Nachmittag dazu beiträgt, dass alle Mädchen und Frauen, die seit dem 13.03.2015 an Endometriose erkrankten, schnellstens ihre Diagnose und die optimale Hilfe erhaltenohne die durchschnittlichen sieben Jahre warten zu müssen.

Programmflyer

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