Nachgedacht: Aufmerksamkeit ist nicht mit Aufklärung gleichzusetzen

Seit Jahren setzt sich das Netzwerk Endometriose dafür ein, die Situation betroffener Frauen zu verbessern. Zudem möchte der ehrenamtliche Verein mehr Investitionen in Forschung und Ausbildung rund um die Erkrankung erreichen. Ein wichtiger Faktor ist es, die Öffentlichkeit über Endometriose in all ihren Erscheinungsbildern und begleitenden Problemen aufzuklären. Was die Berichterstattung der Presse aber auch die Kommunikation der Betroffenen selbst betrifft, besteht jedoch erheblicher Verbesserungsbedarf.

Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen Aufklärern und öffentlicher Berichterstattung findet nicht statt

Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und auch Informationsportale namhafter Medienunternehmen wären prinzipiell eine hervorragende Möglichkeit, die weitgehend unbekannte Erkrankung Endometriose in den Fokus zu rücken. In der Realität zeigt sich allerdings ein völlig anderes Bild: Wenn sich Pressevertreter überhaupt dazu durchringen können, Endometriose aufzugreifen, dann meist unter reißerischen Überschriften wie „Killerschmerzen im Bauch“. Teils werden beispielsweise auch „Wundermittel aus den USA“ thematisiert, die Heilung versprechen. All dies erfolgt, obwohl wissenschaftlich noch nicht einmal geklärt wurde, wie und warum Endometriose entsteht.

Natürlich erregt das Leid von Frauen oder die falsche Aussicht auf Heilung Aufmerksamkeit. Das eigentliche Ziel einer flächendeckenden, qualitativ hochwertigen Aufklärung wird hierdurch jedoch nicht erreicht. Erschwerend kommt hinzu, dass „echte“ Aufklärer wie das Netzwerk Endometriose von den Medien offensichtlich als Konkurrenz betrachtet werden. Dabei wäre die einzig sinnvolle Lösung im Sinne der Betroffenen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Betroffene müssen ihre Außenwirkung ebenfalls überdenken

Endometriose benötigt nicht nur eine bessere Berichterstattung in öffentlichen Medien. Allgemein ist die Kommunikationsqualität rund um die Erkrankung insbesondere im Netz stark verbesserungswürdig. Hierfür sind auch Betroffene selbst verantwortlich. Oftmals ist die Reflexion des eigenen Kommunikationsverhaltens im Bezug auf Endometriose offensichtlich komplett ausgeschaltet. Letztlich entsteht für Außenstehende ein verzerrtes Bild.

Andere Sprache erforderlich

Weder Übertreibungen noch missverständliche persönliche Kommentare im Netz werden Fortschritte im Endometriose-Bereich bringen. Das Ziel muss es sein, eine nachhaltige, bedarfsgerechte medizinische Versorgung für betroffene Frauen zu realisieren. Wir erreichen dies nur mit einer anderen Art der Kommunikation – einer Sprache, die die Grauzonen der Erkrankung sachlich beleuchtet.

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